Karl F. Kocmata. Eine Chronik

Karl F. Kocmata

Eine Chronik

Zusammengestellt von Reinhard Müller

© 2022 Reinhard Müller, Graz

Karl F. Kocmata

Anarchistische Bibliothek | Archiv | Institut für Anarchismusforschung | Wien

Karl F. Kocmata

d. i. Karl (Magnus) Kočmata

Pseudonyme: Karl Franz Heiding, Karl Franz Kocmata, Karl F. Kocmata-Heiding, Spartakus

Heiligenstadt, Niederösterreich [zu Wien 19.] 16. Jänner 1890 – Wien 29. November 1941

Journalist, Schriftsteller, Verleger, Redakteur, Zeitschriften- und Zeitungsherausgeber

Anarchist

Karl F. Kocmata

d. i. Karl (Magnus) Kočmata

Pseudonyme: Karl Franz Heiding, Karl Franz Kocmata, Karl F. Kocmata-Heiding, Spartakus

Heiligenstadt, Niederösterreich [zu Wien 19.] 16. Jänner 1890 – Wien 29. November 1941

Journalist, Schriftsteller, Verleger, Redakteur, Zeitschriften- und Zeitungsherausgeber

Anarchist

Weiters auf dieser Website:

– Kommentiertes Personenverzeichnis zum Buch von Reinhard Müller: Der abenteuerliche Anarchist Karl F. Kocmata. Wien 2022

– Bücher, Broschüren und Flugschriften von Karl F. Kocmata

– Angekündigte, aber nicht erschienene Bücher und Broschüren von Karl F. Kocmata

– Zeitschriften und Zeitungen von Karl F. Kocmata

– Schriftenreihen von Karl F. Kocmata

– Verlegte Postkarten von Karl F. Kocmata

– Verlage von Karl F. Kocmata

 

Karl F. Kocmata. Eine Chronik

Nähere Informationen zu den in dieser Chronik genannten Personen gibt es im kommentierten Personenverzeichnis auf dieser Website.

Karl F. Kocmatas Eltern

Vater: Antonín Kočmata (Woleschnik, Böhmen [Olešník, Tschechien] 1849 – Wien 1935), Sohn einer Hausfrau und eines Kleinhäuslers: Taglöhner, Kellerbursche und zuletzt städti­scher Straßenarbeiter. Er heiratete 1873 in Nußdorf (Niederösterreich [zu Wien 19.]), Ma­ria Schuster.

Mutter: Maria Kočmata, geborene Schuster (Wieden, Niederösterreich [zu Wien 4.] 1848 – Wien 1914), uneheliche Tochter einer Taglöhnerin: Taglöhnerin und später auch Hausfrau.

Karl F. Kocmatas Brüder

Anton Kočmata (Nußdorf, Niederösterreich [zu Wien 19.] 1874 – als Kriegsgefangener in Sibirien 1922): Fassbindergehilfe, später Kaffeeröster.

Josef Kočmata (Heiligenstadt, Niederösterreich [zu Wien 19.] 1876 – Wien 1942): Fassbin­dergehilfe, dann Geschäftsdiener und zuletzt Stadtschutzmann.

Thomas Kočmata (Heiligenstadt, Niederösterreich [zu Wien 19.] 1877 – Wien 1910): Kisten­tischlergehilfe, dann Tischlermeister.

Franz Kočmata (Heiligenstadt, Niederösterreich [zu Wien 19.] 1880 – Wien 1958): Maschi­nenschlosser, zuletzt Maschinenmeisterstellvertreter am Wiener Burgtheater.

Johann Evangelista Kočmata (Heiligenstadt, Niederösterreich [zu Wien 19.] 1881 – Wien 1942): Schiffmann, dann Gerüstbauhelfer.

Ferdinand Kočmata (Heiligenstadt, Niederösterreich [zu Wien 19.] 1885 – Heiligenstadt, Nie­derösterreich 1887): als Kleinkind an einer Lungenentzündung verstoreben.

1890–1906

16. Jänner 1890: Geburt von Karl (Magnus) Kočmata in Heiligenstadt, Niederösterreich, Nußdorfer Straße 79 [heute Wien 19., Heiligenstädter Straße 79].

bis 1896: Wegen der arbeitenden Eltern tagsüber in einer Kleinkinderbewahranstalt (Vorform des Kindergartens) untergebracht.

1896/97 bis 1899/1900: Besuch der Volksschule für Knaben und Mädchen in Wien 19.

1900/01 bis 1903/04: Besuch der Bürgerschule für Knaben in Wien 19.

1904 bis 1907: Lehre zum Handelsangestellten; daneben jeweils von Anfang Oktober bis Ende April Besuch der Abendkurse der Wiener Handels-Akademie.

Mai 1906: Entschluss, Schriftsteller zu werden.

1907

1907: Abschluss seiner Lehre zum Handelsangestellten.

1907 bis 1910: Hilfsarbeiter in diversen Berufszweigen.

1907 bis 1909: Unbezahlter Mitarbeiter des Soziologen, Geschichtsphilosophen, Publizisten, christlichsozialen Politikers und exponierten Antisemiten Anton Orel (1881–1959).

6. Oktober 1907: Erster belegter öffentlicher Auftritt Karl F. Kocmatas, in einer Versamm­lung der christlichen Jugend Wiens zur Tagesordnung »Das neue niederösterreichische Gewerbeschulgesetz« im Wegscheider Saal, Wien 7., Neubaugasse 31.

1908

Oktober 1908 bis Februar 1909: Hilfsredakteur bei der vom »Katholischen Jünglingsverein ›Maria Hilf‹« herausgegebenen Zeitschrift »Jung-Oesterreich. Monatsschrift für die Inte­ressen der katholischen Jugend« (Wien).

Dezember 1908: Veröffentlichung seiner ersten Broschüre im Selbstverlag: Jugend und Schundliteratur. Ein energisches Wort gegen systematische Volksvergiftung, gegen den Unflat und dessen Herausgeber. Eine offene Aussprache an den Staatsanwalt! Von Karl F. Kočmata. Wien: Verlag: Redakteur Karl Kočmata [1908], 28 [38] S.

1909

Juni 1909: Zweite Auflage von: Jugend und Schundliteratur. Ein energisches Wort gegen systematische Volksvergiftung, gegen den Unflat und dessen Herausgeber. Eine offene Aussprache an den Staatsanwalt! Von Karl F. Kočmata. Wien: Verlag: Redakteur Karl Kočmata [1909], 28 [38] S.

1909: Persönliche Bekanntschaft mit dem Schriftsteller Hermann Bahr (1863–1934).

1909 bis 1911: Anhänger der literarischen Bewegung »Jung-Österreich«, für Karl F. Kocmata vor allem durch Hermann Bahr repräsentiert.

1909: Erste dichterische Versuche Karl F. Kocmatas als Lyriker.

1910

1910 bis 1911: Abwendung von der christlichsozialen Arbeiterjugendbewegung, Hinwendung zu anarchistischen Ideen.

1910 bis 1911: Positionierung als freischaffender Schriftsteller und selbstständiger Redakteur.

Sommer 1910: Persönliche Bekanntschaft mit dem Schriftsetzer, Buchdrucker und Anarcho­syndikalisten Leo Rothziegel (1892–1919).

12. September 1910: Tod von Karl F. Kocmatas Bruder Thomas Kočmata (1877–1910), ver­storben an Lungentuberkulose.

1911

1. Februar 1911: Gründungsmitglied des von seinem Freund, dem Schriftsteller, Lokalhisto­riker und Anarchisten Leopold Speta (1891–1917), initiierten »Vereins ›Döblinger Bühne‹« in Wien.

März 1911: Beginn von Karl F. Kocmatas Begeisterung für den Arbeiterdichter Alfons Pet­zold (1882–1923), der 1910 bis 1912 unter dem Pseudonym »De Profundis« in anarchisti­schen Zeitungen publizierte.

21. März 1911: Vortrag von Karl F. Kocmata »Literarische Zustände in Österreich« im Rah­men einer Veranstaltung des »Vereins ›Döblinger Bühne‹« im Gartensaal der Restauration Leopold Brandl, Wien 19., Gatterburggasse 19.

April 1911: Es erscheint Karl F. Kocmatas zweite Broschüre: Sexuelle Aufklärung in der Schule. Ja oder Nein? Von Karl F. Kocmata. Verfasser der Schrift: »Jugend und Schund­literatur«. Wien: Verlegt bei Sigmund Polak 1911, 78 [84] S.

April 1911 bis November 1912: Inhaber des von Karl F. Kocmata formal erst im Mai 1912 gegründeten »Verlags ›Das Gesindel‹« in Wien.

5. April 1911 bis November 1912: Redakteur der von Karl F. Kocmata gegründeten anar­chistischen Zeitschrift »Das Gesindel. Monatsschrift für die Wiener Gesellschaft« (Wien). Herausgeber und verantwortlicher Redakteur ist sein Freund, der Handelsangestellte, Schriftsteller und Anarchist Heinrich Friedrich Eder alias Heini Eder (1885–1919).

Juni 1911: Persönliche Bekanntschaft mit dem Publizisten, Schriftsteller, Übersetzer, Re­dakteur, Zeitungsherausgeber und Anarchisten Rudolf Großmann alias Pierre Ramus (1882–1942).

12. Juli 1911: Erste Veröffentlichung in der von Pierre Ramus herausgegebenen anarchisti­schen Zeitung »Wohlstand für Alle« (Wien) unter dem Pseudonym »Karl Franz Heiding«.

November 1911: Erste Veröffentlichung in der von Pierre Ramus herausgegebenen anarchis­tischen Zeitschrift »Ohne Herrschaft. Literarisches Beiblatt des ›Wohlstand für Alle‹« (Wien).

11. November 1911: Erstes Referat von Karl F. Kocmata im Rahmen der von Pierre Ramus initiierten anarchosyndikalistischen »Freien Gewerkschafts-Vereinigung Österreichs«.

28. Oktober 1911 bis 28. August 1913: Erste feste Anstellung als – ab 22. Mai 1912 auch offizieller – Redakteur bei der vom Berufssoldaten, Schriftsteller, Publizisten, Journalisten, Zeitungsherausgeber, Filmdramaturgen und zeitweilig in der anarchistischen Bewegung aktiven Franz Vinzenz Schöffel (1884–1959) gegründeten und herausgegebenen Zeitung »Neue Freie Worte. Organ zur Wahrung der Interessen aller ehrlich arbeitenden Stände« (Wien).

15. Dezember 1911: Vortrag von Karl F. Kocmata »Der Arbeiterdichter Alfons Petzold« im Rahmen einer Veranstaltung des »Vereins ›Döblinger Bühne‹« im Gartensaal der Restau­ration Leopold Brandl, Wien 19., Gatterburggasse 1.

24. Dezember 1911: Erstmalige Zensur eines von Karl F. Kocmata verfassten Artikels, der in der Zeitung »Neue Freie Worte« (Wien) hätte erscheinen sollen.

1912

1912: Endgültiger Bruch mit Hermann Bahr.

26. Jänner 1912: Wiederholung des Vortrags von Karl F. Kocmata »Der Arbeiterdichter Al­fons Petzold« im Rahmen einer Veranstaltung des »Vereins ›Döblinger Bühne‹« im Gar­tensaal der Gastwirtschaft von Dominik Antropp, Wien 7., Burggasse 120.

25. Februar bis 18. Juni 1912: Mitglied des von Karl F. Kocmata mitbegründeten, von Franz Vinzenz Schöffel initiierten »Wirtschaftlichen Vereins der Arbeitnehmer Oesterreichs«; Austritt wegen Unstimmigkeiten.

Juli 1912: Dr. Viktor Adler und die österr. Arbeiterbewegung von Karl F. Kocmata. Wien: Verlag »Das Gesindel« 1912, 20 [22] S.

August 1912 bis März 1913: Inhaber des von Karl F. Kocmata gegründeten »Adria-Ver­lags«.

23. August 1912: Karl F. Kocmata wird von der Musterungskommission für untauglich be­funden.

September 1912: Joseph Schöffel, der Erhalter des Wienerwaldes. Sein Kampf und sein Ver­mächtnis von Karl F. Kocmata. Wien: Verlag »Das Gesindel« 1912, 24 [28] S.

27. Oktober bis November 1912: Veranstalter mehrerer »Gesindel-Abende«.

27. Oktober 1912: Karl F. Kocmata liest »Glossen«, »Makula-Literatur«, »Morgenrot« und andere eigene Texte im Rahmen des ersten Gesindel-Abends (»I. Vortrags- und Lese-Aka­demie«) im Restaurant »Johanneshof«, Wien 1., Johannesgasse 4.

November 1912: Einstellung von Karl F. Kocmatas Zeitschrift »Das Gesindel. Literar-kriti­sche Monatsschrift« (Wien).

November 1912: Carmen. Ein Buch der Jugend. Von Karl F. Kocmata. Wien – Leipzig: Verlag »Adria« 1913 [recte 1912], 32 [36] S.

1813

17. Jänner bis 28. August 1913: De facto Herausgeber der Zeitung »Neue Freie Worte. Saty­rischkritische Wochenschrift mit dem Beiblatt: ›Der Volksanwalt‹« (Wien).

19. April 1913: Lesung von Karl F. Kocmata aus Dichtungen von Erich Mühsam (1878–1934), Raoul Auernheimer (1876–1948), Karl Schönherr (1867–1943) sowie aus eigenen Werken im Rahmen einer Veranstaltung des »Vereins ›Döblinger Bühne‹« in Johann Weigl’s »Dreher-Park«, Wien 12., Schönbrunner Straße 307.

14. August 1913 bis August 1914: Erster Obmann des neu gegründeten, von Pierre Ramus initiierten »Literarischen Vereins ›Tolstoi‹« in Wien.

28. August 1913: Einstellung der Zeitung »Neue Freie Worte. Satirisch-kritische Wochen­schrift mit dem Beiblatt: ›Der Volksanwalt‹« (Wien).

18. September 1913 bis 12. Februar 1914: Herausgeber der von Karl F. Kocmata gegrün­deten anarchistischen Zeitung »Zukunft! Halbmonatsschrift für Freiheit und Fortschritt« (Wien) mit seinem Freund, dem Buchdrucker, Schriftsteller und zeitweilig in der anarchis­tischen Bewegung aktiven Alois Ketzlik (1886–1938), als verantwortlichem Redakteur.

4. Oktober 1913 bis August 1914: Obmannstellvertreter des von Karl F. Kocmata und des­sen langjährigem Obmann, dem Schriftsteller, Handelsschulprofessor, Kaufmann und Anarchisten Arnold Aleksandrowicz (1888–1944), initiierten »Vereins für Ethik und Kul­tur ›Die Mistgabel‹«, noch im Oktober 1913 umbenannt in »Verein für Ethik und Kultur ›Die Bresche‹«, in Wien.

23. Oktober 1913: Karl F. Kocmata bietet sich – vergeblich – Pierre Ramus als Sekretär an.

1914

21. Jänner 1914: Karl F. Kocmata tritt aus der römisch-katholischen Kirche aus.

1. Februar 1914: Karl F. Kocmata liest »Aus eigenen satirischen Schriften« im Rahmen des »Literarischen Vereins ›Tolstoi‹« im Café von Rudolf Prilisauer, Wien 16., Yppengasse 2.

März 1914: Karl F. Kocmata unternimmt eine Agitationsreise zur Gruppe um die anarchisti­sche Zeitung »Volkswille« nach Graz (Steiermark) und zu den anarchistischen »Unabhän­gigen Socialisten« in Klagenfurt am Wörthersee / Celovec ob Vrbskem jezeru (Kärnten).

4. März 1914: Vortrag von Karl F. Kocmata »Die Wiener Bewegung und die Wiener Buch­druckereiarbeiter-Versammlung« im Rahmen der »Unabhängigen Socialisten« in Kla­genfurt am Wörthersee / Celovec ob Vrbskem jezeru (Kärnten).

März 1914: Beginn der Beziehung zur Schneiderin Leopoldine Schadek (1888–1977), die er 1920 standesamtlich heiraten wird.

17. April 1914: Tod von Karl F. Kocmatas Mutter Maria Kočmata (1848–1914) in Wien, verstorben an Lungenkatarrh.

1. Mai 1914: Karl F. Kocmata rezitiert das »Zukunftslied« von Georg Herwegh (1817–1875) im Rahmen einer Versammlung der Wiener Anarchistinnen und Anarchisten um Pierre Ramus als Prolog dieser Veranstaltung zum 1. Mai 1914 im Café von Rudolf Prilisauer, Wien 16., Yppengasse 2.

17. Juli bis 17. August 1914: Aufenthalt in Berlin, wo er bei dem engagierten Pazifisten und Generalsekretär der »Weltjugendliga« Georg Schulze-Moering (1897–1928) wohnt. Er trifft sich auch mit dem Herausgeber der Zeitschrift »Die Aktion« (Berlin-Wilmersdorf), dem Schriftsteller, Publizisten, Verleger, Fotografen und anarchistischen Bewegungen nahe stehenden Franz Pfemfert (1879–1954).

28. Juli 1914: Der Kaiser von Österreich-Ungarn erklärt Serbien den Krieg und lässt damit jenes Morden beginnen, das man später als »Ersten Weltkrieg« bezeichnet.

26. September 1914: Verhaftung Karl F. Kocmatas unter dem Verdacht der Spionage für Serbien sowie der Geheimbündelei. Nach einer Hausdurchsuchung erfolgt seine Einliefe­rung in das Sicherheitsbureau der k. k. Polizeidirektion Wien.

1. Oktober 1914: Karl F. Kocmata wird in das k. k. Landesgericht Wien überstellt.

19. Dezember 1914: Entlassung Karl F. Kocmatas aus der Untersuchungshaft ohne Anklage­erhebung.

Dezember 1914: Bruch mit seinem Freund und anarchistischen Mitkämpfer, dem Schriftstel­ler Artur Fencl (1893–1918), der gleichzeitig mit Karl F. Kocmata verhaftet worden war und den Kocmata nun des Verrats verdächtigt.

Weihnachten 1914: Karl F. Kocmata schreibt seinen erst im Mai 1919 veröffentlichten Be­richt »Drei Monate Haft zur Kriegszeit im Wiener Landesgericht« nieder.

1916

Juli bis Dezember 1916: Karl F. Kocmata gibt seine Schriftenreihe »Neue Bahnen – Schrif­ten aus der Zeit« in seinem dafür gegründeten »Verlag Neue Bahnen – Karl F. Kocmata« heraus.

Juli 1916: Hermann Bahr, Österreichs Breitmäul. Eine Abrechnung von Karl F. Kocmata. Erstes bis fünftes Tausend. Wien: Verlag Neue Bahnen – Karl F. Kocmata 1916 (= Neue Bahnen – Schriften aus der Zeit. 1.), 24 [28] S.

August 1916: Endgültiger Bruch mit Leo Rothziegel.

August 1916: Karl Kraus, der Krieg und die Helden der Feder. Ein Beitrag zur Literatur der Gegenwart von Karl F. Kocmata. Erstes bis fünftes Tausend. Wien: Verlag Neue Bahnen – Karl F. Kocmata 1916 (= Neue Bahnen – Schriften aus der Zeit. 2.), 28 [32] S.

5. Oktober 1916 bis 9. Juni 1917: Verantwortlicher Schriftleiter der vom ehemaligen Berg­mann und sozialdemokratischen Gewerkschaftsfunktionär und nunmehrigen Publizisten, Journalisten, Zeitungsherausgeber und freisozialistischen Abgeordneten zum Reichsrat Simon Starck (1865–1939) herausgegebenen Zeitung »Neue Bahnen. Halbmonatsschrift für öffentliches Leben und Volkswirtschaft« (Wien), das Organ der böhmischen und Wie­ner Freisozialisten.

November 1916: Konflikt mit dem Schriftsteller, Journalisten, Übersetzer, Sprachkritiker, Zeitschriftenherausgeber, Schauspieler und Rezitator Karl Kraus (1874–1936), bei dessen Vorlesung vom 18. September 1916 Karl F. Kocmata seine eigene Karl Kraus-Broschüre zu verkaufen suchte.

1917

25. Jänner 1917: Schriftführer bei der in Wien abgehaltenen freisozialistischen Konferenz des »Wahl- und Rechtsschutz-Vereins ›Freigeist‹ für Oesterreich« mit Sitz in Falkenau an der Eger (Böhmen [Sokolov, Tschechien]).

13. Februar 1917: Erste persönliche Begegnung mit dem Poeten Peter Altenberg (1859–1919).

15. März 1917: Begleiter von Simon Starck in das Ministerium für öffentliche Arbeiten zwecks Überreichung einer Petition zur Lage der Bergarbeiter in Nordböhmen.

9. Juni 1917: Rücktritt als verantwortlicher Schriftleiter der von Simon Starck herausgegebe­nen Zeitung »Neue Bahnen. Wochenblatt für öffentliches Leben u. Volkswirtschaft« (Wien).

Juli 1917: Reise in die böhmische Heimat seiner Vorfahren gemeinsam mit seiner Geliebten Leopoldine Schadek.

Juli 1917 bis Oktober 1921: Inhaber des von Karl F. Kocmata gegründeten »Verlags des Ver!«.

August 1917 bis Februar 1921: Herausgeber und verantwortlicher Schriftleiter der von Karl F. Kocmata gegründeten Zeitschrift »Ver!« (Wien). Der Titel (Lateinisch: Frühling!) und das Logo der Zeitschrift stammen von Peter Altenberg.

Oktober 1917: Reise nach Prag (Böhmen [Praha, Tschechien]) gemeinsam mit seiner Ge­liebten Leopoldine Schadek.

November 1917 bis März 1918: Karl F. Kocmata wird als »Hilfsdienstpflichtiger ohne Waffe« zum Kriegsdienst einberufen und als Redakteur dem Pressedienst des Kriegsmi­nisteriums zugeteilt.

Dezember 1917 bis Dezember 1920: Karl F. Kocmata gibt seine Schriftenreihe »Das neue Gedicht. Eine zwanglose Sammlung« in seinem »Verlag des Ver!« heraus.

1918

März 1918: Karl F. Kocmata wird wegen politischer Unzuverlässigkeit in die meist »Deutschmeisterkaserne« genannte Rennweger Kaserne, Wien 3., versetzt.

Juni 1918: Postkarte mit dem Porträt von Karl F. Kocmata, gezeichnet vom Maler, Grafiker und zeitweilig in der anarchistischen Bewegung aktiven Egge Sturm-Skrla (1894–1943). Kocmata verlegt in diesem Monat noch zwei weitere Postkarten mit von diesem Künstler mit Porträtzeichnungen aus den Jahren 1917 und 1918.

21. Oktober 1918 bis 16. Februar 1919: Provisorische Nationalversammlung für Deutsch­österreich.

31. Oktober 1918: Gründung der »Roten Garde« in Wien mit dem Journalisten, Schriftsteller, Dramaturgen und Schauspieler Egon Erwin Kisch (1885–1948) als Kommandeur. Diese wird am 4. November 1918 als Bataillon 41 in die staatliche Volkswehr eingegliedert.

3. November 1918: Karl F. Kocmata wird von der kommandierten Mannschaft des Reserve­spitals Nr. 2, Erzherzog-Albrecht-Kaserne, Wien 2., Vorgartenstraße 225, in freier und ge­heimer Wahl zum Soldatenrat der Wiener Garnison gewählt. Er ist damit einer von 187 Delegierten zum Wiener Soldatenrat.

12. November 1918: Ausrufung der Republik Deutschösterreich.

November 1918: Die bisher mit dem Untertitel »Auf daß der moderne Geist in Allem und Jedem zum Ausdruck komme« erschienene Zeitschrift »Ver!« (Wien) erhält einen neuen: »Auf daß der revolutionäre Geist in Allem und Jedem zum Ausdruck komme«.

24. November 1918: Der von Pierre Ramus initiierte »Literarische Verein ›Leo Tolstoi‹« nimmt seine Tätigkeit wieder auf. Dieser ist – nunmehr kein Verein nach dem Vereinsge­setz – ab Jänner 1919 unter dem Namen »Bund ›Erkenntnis und Befreiung im Sinne Leo Tolstois‹«, ab Juni 1919 als »Bund herrschaftsloser Sozialisten«, schließlich als »Bund herrschaftsloser Sozialisten (Anarchisten)« tätig. In dieser Vereinigung ist Karl F. Kocmata bis Dezember 1919 aktiv.

24. November 1918: Es erscheint die erste Nummer der anarchistischen Zeitung »Erkenntnis und Befreiung« (Wien) unter Leitung von Pierre Ramus.

1919

8. Februar 1919: Karl F. Kocmata spricht auf der 1. Protestkundgebung der Antimilitaristen gegen das neue Wehrgesetz im Großen Saal des Konzerthauses, Wien 3., Lothringer­straße 20.

9. Februar 1919: Die Schriftstellerin und anarchistische Mitkämpferin von Karl F. Kocmata Friederike Ehrmann alias ElHa alias El Hor (1891–nach 1939) liest im Klubsaal des Volksbildungshauses »Wiener Urania«, Wien 1., Uraniastraße 1, unter dem Titel »Mo­derne Dichtungen« unter anderem Texte von Karl F. Kocmata.

Februar 1919 bis Jänner 1920: Karl F. Kocmata ist Inhaber des von ihm gegründeten »Ver­lags der Revolution!«.

22. Februar 1919 bis 10. Jänner 1920: Verantwortlicher Herausgeber der von Karl F. Koc­mata gegründeten Zeitung »Revolution!« (Wien, ab 19. Juli 1919 Wien – Leipzig – Berlin, ab 2. August 1919 Wien – Berlin).

23. Februar 1919: Karl F. Kocmata spricht auf der 2. Protestversammlung der Arbeiter, Sol­daten, Sozialisten und Antimilitaristen »Gegen jeglichen Wehrzwang und somit auch ge­gen das neue Wehrgesetz« im Festsaal des Restaurants »Ottakringerbräu« (Alois Küß), Wien 13., Auhofstraße 1.

27. März 1919: Gemeinsam mit seinem Freund und anarchistischen Mitkämpfer, dem Kunst­historiker, Schriftsteller, Verleger, Sport- und Tourismusaktivisten Fritz Karpfen (1897–1952), Veranstalter des Vortragsabends »Lieder der Revolution« in Graz (Steiermark) im Großen Saal des Hotels »Erzherzog Johann«, Sackstraße 3–5. Karl F. Kocmata kann aller­dings wegen eines Streiks der Eisenbahner nicht anreisen.

2. April 1919: Gründungsversammlung der von Pierre Ramus initiierten »Anarchistischen Vereinigung der geistigen Arbeiter«, bei der Karl F. Kocmata bis Dezember 1919 als Mit­glied aktiv ist.

April 1919: Beginn der bis Sommer 1920 währenden Kampfgemeinschaft mit dem Schrift­setzergehilfen und Anarchisten Konrad Hofer alias Koho (1884–1962).

22. April 1919: Gründungsversammlung der »Freien Künstlervereinigung Ver!«, auf der de­ren Initiator und Vorsitzender Karl F. Kocmata einstimmig als Delegierter für den Wiener Arbeiterrat des 1. Bezirks (Innere Stadt) gewählt wird. Er wird damit einer von 7.045 gewählten Bezirksräten des Wiener Arbeiterrats.

Mai 1919: Drei Monate Haft zur Kriegszeit im Wiener Landesgericht. Schilderungen von Karl F. Kocmata. Wien: Im Verlag der Revolution! 1919, 40 [46] S.

31. Mai 1919: Erlöschen des Mandats von Karl F. Kocmata als Soldatenrat anlässlich der Schließung des Reservespitals Nr. 2 in der Erzherzog-Albrecht-Kaserne.

Juni 1919 bis Dezember 1920: Vorübergehende Einstellung der Zeitschrift »Ver!« (Wien) und der Aktivitäten der »Freien Künstlervereinigung Ver!«.

Juni 1919: Beginn der bis Sommer 1920 währenden Kampfgemeinschaft mit dem Privatbe­amten, Schriftsteller und Anarchisten Ignaz Holzreiter alias I. Heinrich Holz-Reyther alias Ignis (1894–1979).

4. Juni 1919: Gründungsversammlung der von Ignaz Holzreiter initiierten »Vereinigung indi­vidualistischer Anarchisten«, auf der Karl F. Kocmata zum Schriftführer gewählt wird.

21. Juli 1919: Karl F. Kocmata nimmt an den vom Kreisarbeiterrat Wien organisierten »Kundgebungen internationaler Solidarität mit den Generalstreikaktionen in den Ländern des siegreichen Entente-Kapitalismus« teil.

Ende Juli 1919: Eingliederung der »Vereinigung individualistischer Anarchisten« in die von Karl F. Kocmata initiierte »Anarchisten-Vereinigung Revolution!«.

August 1919: Karl Kraus, der Krieg und die Ausgeräucherten. Ein Beitrag zur Literatur der jüngsten Vergangenheit. Von Karl F. Kocmata. Wien: Verlag Ver! 1919, 36 [40] S.; auf dem Umschlagblatt Verlagsangabe »Verlag Revolution!«. Dies ist eine überarbeitete und erweiterte Ausgabe von Kocmatas Karl Kraus-Broschüre von 1916.

19. August 1919: Redner auf der »Volkskundgebung und Massenversammlung zum Schutz der Republik gegen die Wiederkehr des Monarchismus« des »Bundes herrschaftsloser So­zialisten« in der Volkshalle des Wiener Rathauses, Wien 1., Rathausplatz 1.

September 1919: Nachdem in diesem Monat aus finanziellen Gründen keine Ausgabe seiner Zeitung »Revolution!« erscheinen kann, zieht sich Karl F. Kocmata für einige Tage in die österreichischen Alpen zurück.

September 1919: Einsamer Wald. Ausgewählte Dichtungen von Karl F. Kocmata. 1909 – 1919. Wien – Leipzig: Frisch & Co. Verlag [1919] (= Die lebendige Dichtung. I.), 35 [50] S.

November 1919: Bruch mit dem Journalisten, Schriftsteller und Anarchisten Kurt Sonnenfeld (1893–1938), einem getreuen Anhänger von Pierre Ramus.

9. November 1919: Referat von Karl F. Kocmata »Der Syndikalismus als Sozialismus des Proletariats« auf der Veranstaltung des »Bundes herrschaftsloser Sozialisten«, 14. und 15. Bezirk, im Gasthaus »Zur Kohlkreunze« (Josef Bulner), Wien 15., Fünfhausgasse 16.

10. November 1919: Referat von Karl F. Kocmata »Unsere nächsten Aufgaben« auf der Ver­anstaltung der »Herrschaftslos-sozialistische Vereinigung geistiger Arbeiter ›Freiheit‹« im Café »Stallburg« (Emil Mauer), Wien 1., Habsburgergasse 9.

20. November 1919: Wiederwahl von Karl F. Kocmata in den Wiener Arbeiterrat des 1. Bezirks (Innere Stadt).

23. November 1919:Lesung von Karl F. Kocmata aus eigenen Werken bei der literarischen und musikalischen Akademie des »Wiener Schriftstellervereins ›Die Scholle‹« in dessen Vereinsheim, Wien 2., Lilienbrunngasse 1a.

5. Dezember 1919: Letzter öffentlicher Auftritt von Karl F. Kocmata bei der mittlerweile in »Herrschaftslos-sozialistische Vereinigung geistiger Arbeiter ›Freiheit‹« umbenannten Or­ganisation von Pierre Ramus in der Restauration »Bürgertheater« (Josef Parzer), Wien 3., Hauptstraße 1a, mit seinem Referat zum Thema »Die Notlage der geistigen und manuellen Arbeiter, der einzige Befreiungsweg für beide«.

8. Dezember 1919: Ausladung von Karl F. Kocmata als Vortragender bei der »1. Jahresfeier der Gründung und des Erscheinens von ›Erkenntnis und Befreiung‹« des von Pierre Ramus initiierten »Bundes herrschaftsloser Sozialisten«. Dies ist der erste Höhepunkt im Konflikt zwischen Karl F. Kocmata und Pierre Ramus.

1920

10. Jänner 1920: Einstellung von Karl F. Kocmatas Zeitung »Revolution!« (Wien – Berlin).

Jänner 1920: Einstellung des von Karl F. Kocmata gegründeten »Verlags der Revolution!« (Wien) und der Aktivitäten der »Anarchisten-Vereinigung Revolution!«.

26. Jänner 1920: Schiedsgerichtsversammlung des »Bundes herrschaftsloser Sozialisten« betreffend den Konflikt zwischen Karl F. Kocmata und Kurt Sonnenfeld. Damit bahnt sich auch Kocmatas Bruch mit Pierre Ramus an.

10. Februar 1920: Vollversammlung des neugewählten Kreisarbeiterrats Wien im Gartensaal des Arbeiterheims Favoriten, Wien 10., Laxenburger Straße 8–10: Aberkennung des Kreisarbeiterratsmandats von Karl F. Kocmata durch die Mandatsprüfungskommission.

20. Februar 1920: Karl F. Kocmata und seine langjährige Lebensgefährtin, die Schneiderin Leopoldine Schadek, beziehen gemeinsam eine Wohnung in Wien 19., Sieveringer Straße 116.

21. Februar 1920: Karl F. Kocmata und Leopoldine Schadek heiraten standesamtlich in Wien. Sie ist das letzte von acht Kindern des Fiakers Michael Schadek (Lichtental, Nie­derösterreich [zu Wien 9.] 1846 – Wien 1918), Sohn einer Hausfrau und eines Kleinfuhr­manns, und dessen Ehefrau, der Oberhebamme des Findelhauses Karoline Schadek, gebo­rene Carolina Helmich, legitimierte Fink (Lichtental, Niederösterreich [zu Wien 9.] 1847 – Wien 1924), uneheliche Tochter einer Dienstmagd und eines Kleinfuhrmanns und späteren Taglöhners. Die Ehe von Leopoldine und Karl F. Kocmata bleibt kinderlos.

April 1920: Gründung der von Karl F. Kocmata initiierten »Föderation revolutionärer Anar­chisten und Syndikalisten«.

1. Mai bis 15. September 1920: Verantwortlicher Herausgeber der von Karl F. Kocmata ge­gründeten Zeitung »Arbeiterkampf. Organ der revolutionären Anarchisten und Syndika­listen Österreichs« (Wien).

20. Mai 1920: Vollversammlung des Bezirksarbeiterrats Innere Stadt im Café »Folly« (Hugo Klinger), Wien 1., Gonzagagasse 11, Souterrain: Aberkennung des Bezirksarbeiterrats­mandats von Karl F. Kocmata, wogegen Kocmata beruft.

1. Juni 1920: Zweite Sitzung des Reichsarbeiterrats im Alten Rathaus, Wien 1., Wipplinger­straße 8: endgültige Aberkennung des Mandats von Karl F. Kocmata als Arbeiterrat. Zu­gleich erfolgt die Aberkennung der Mandate von Pierre Ramus und des Buchhandelsange­stellten, Handlungsangestellten, Kaufmanns, Schriftstellers und Anarchisten Karl Mol­dauer (1901–1972), beide Delegierte des »Bundes herrschaftsloser Sozialisten«. In der Folge kommt es zum endgültigen Bruch von Pierre Ramus mit Kocmata, der von Ramus beschuldigt wird, mit Marxistinnen und Marxisten gemeinsame Sache zu machen.

14. Juni 1920: Referat von Karl F. Kocmata »Die Notwenigkeit syndikalistischer Gewerk­schaften« im Gasthaus Johanna Pokorny, Wien 15., Markgraf-Rüdiger-Straße 1. Es ist dies die letzte Veranstaltung der »Föderation revolutionärer Anarchisten und Syndikalisten«.

September 1920: Dr. Viktor Adler und die österreichische Arbeiterbewegung. Kritische Darlegungen von Karl F. Kocmata. Zweite, den Weltkrieg und die Gegenwart berücksich­tigende Auflage. Wien: Verlags-Genossenschaft »Neue Erde« 1920 (= Aus der sozialisti­schen Praxis. 13.), 20 [22] S.

15. September 1920: Einstellung von Karl F. Kocmatas Zeitung »Arbeiterkampf. Revolutio­näre Zeitschrift« (Wien) mit Nummer 4, die ein Alleinunternehmen Kocmatas ist.

Oktober 1920: Karl F. Kocmata [:] Anny Rober. Eine Wiener Mädelgeschichte. Zürich – Wien – Leipzig: Verlag der Wiener Graphischen Werkstätte 1920 (= Die Novellenbücher der WEGEW / Begonnen im Jahre Neunzehnhundertzwanzig. 2.), 97 [108] S.

Dezember 1920: Einstellung der von Karl F. Kocmata herausgegebenen Schriftenreihe »Das neue Gedicht«.

1921

Jänner bis Juni 1921: Kurzes Wiederaufflammen der »Freien Künstlervereinigung Ver!«.

Jänner 1921: Wiedererscheinen von Karl F. Kocmatas Zeitschrift »Ver!« (Wien).

Februar 1921: Endgültige Einstellung von Karl F. Kocmatas Zeitschrift »Ver!« (Wien).

Februar bis Juni 1921: Karl F. Kocmata gibt die von ihm gegründete Schriftenreihe »Stim­men aus der Zeit. Flugschriften des ›Ver!‹« in seinem Verlag »Im Verlage des ›Ver!‹ [/] Generalauslieferung ›Literaria‹ G. m. b. H., I, Tuchlauben 11« in Wien heraus.

Februar 1921: Der Sumpf von Wien. Bilder des Niederganges von Karl F. Kocmata. Mit ei­nem Geleitwort von Stadtrat Dr. med. Heinrich Grün. Wien: Im Verlage des »Ver!« [/] Generalauslieferung »Literaria« G. m. b. H., I, Tuchlauben 11 1921 (= Stimmen aus der Zeit. Flugschriften des »Ver!«. Herausgeber Karl F. Kocmata. 1.), 24 [28] S. Bis Herbst 1921 erscheinen sechs Auflagen.

1. April 1921 bis 13. Juni 1925: Anstellung Karl F. Kocmatas als Redakteur bei der Tages­zeitung »Der Abend« (Wien).

Oktober 1921: Einstellung des von Karl F. Kocmata gegründeten Verlags »Im Verlage des ›Ver!‹ [/] Generalauslieferung ›Literaria‹ G. m. b. H., I, Tuchlauben 11« in Wien und Leipzig.

Oktober 1921: Wiederaufflammen des Konflikts mit Pierre Ramus.

24. Oktober 1921: Zur Steuer der Wahrheit! Vorläufige Abwehr schäbiger Verleumdungen und Lügen des »Wahrheitskämpfers« Rudolf Grossmann (Pierre Ramus). [Gezeichnet] Wien, 24. Oktober 1921. Karl F. Kocmata. Wien: Karl F. Kocmata, Wien XIX/5, Sieverin­gerstraße 116 [1921], unpaginiert [4 S.].

November 1921: Antwort von Pierre Ramus auf Karl F. Kocmatas Flugschrift vom 24. Oktober 1921: »Dem Verleumder und Revolverjournalisten Karl F. Kocmata ins Stammbuch! [Gezeichnet:] Das Aktionskomitee des Bundes herrschaftsloser Sozialisten (Wien): F[ranz] Blaha, J. Bauer [recte Adolf Bauer], F. Diller [recte Franz Dittler], Dall­heim, J[akob] Friedmann, K. Fuchsbaumer [recte Moritz Fuchsbrauner, d. i. Moszek Fuksbrauner], H. Holupp [recte Hans Holub], W[ilhelm] König, K. Kopacz, A. Lethmahr [recte Adolf Lettmaier]; N. Mallowetz, K. Miltowiker, A[nton] Kristek, T. Rosner, W. Richter, A[ugust] Sochy [recte Souchy]; F. Schlentner, Z. Schwiss [recte Zacharias Schwitz], Kutschker-Miller.« [Wien]: [Sekretariat des Bundes herrschaftsloser Sozialisten] [1921], 4 S.

1923

18. Juli bis 5. September 1923: Karl F. Kocmata ist verantwortlicher Schriftleiter der Zei­tung »Der Abend« (Wien).

27. Dezember 1923: Prozess gegen den verantwortlichen Schriftleiter der Zeitung »Der Abend« (Wien), den Rechtsanwalt und Journalisten Siegfried Klausner (1881–1951), und gegen Karl F. Kocmata wegen Ehrenbeleidigung durch einen von ihm verfassten Artikel in »Der Abend«. Beide werden mit zweijähriger Bewährungsfrist zu je 500.000 Kronen Geld­strafe verurteilt.

1924

22. August bis 19. September 1924: Karl F. Kocmata ist neuerlich verantwortlicher Schrift­leiter der Zeitung »Der Abend« (Wien).

24. September 1924: Tod von Karl F. Kocmatas Schwiegermutter Karoline Schadek (1847–1924) in Wien.

22. Dezember 1924: Karl F. Kocmata nimmt zwecks Berichterstattung an der von Funktionä­ren der »Kommunistischen Partei Österreichs« organisierten Weihnachtsaktion der Wiener Arbeitslosen teil und wird vorübergehend verhaftet.

1925

13. Juni 1925: Karl F. Kocmata kündigt seinen Redakteursposten bei der Zeitung »Der Abend« (Wien) und tritt aus der »Arbeitsgemeinschaft der Schriftleiter, Verwaltungsbe­amten und Hilfskräfte des Abend«, offizielle Besitzerin der Zeitung, aus.

22. Juli 1925: Es erscheint anonym eine wohl vom Herausgeber der Zeitung, dem Bankier, Journalisten, Publizisten, Schriftsteller und Zeitungsherausgeber Carl Colbert (1855–1929), verfasste »Erklärung« in der Zeitung »Der Abend« (Wien), in welcher Karl F. Kocmata der Annahme von Geldbeträgen von Wohnungssuchenden unter angeblicher Vorspiegelung guter Beziehungen zum Wohnungsamt der Stadt Wien beschuldigt wird. Dies ist der Beginn des Kampfes von Karl F. Kocmata gegen die Zeitung »Der Abend« und dessen Herausgeber Carl Colbert.

August 1925: Erscheinen des einzigen Bandes der von Karl F. Kocmata herausgegebenen Schriftenreihe »Großstadt- u. Menschheitsdokumente«: Die Prostitution in Wien. Streif­lichter vom Jahrmarkt des Liebeslebens. Von Karl F. Kocmata. Wien: Verlag für Volksaufklärung Rudolf Cerny 1925 (= Großstadt- u. Menschheitsdokumente. Herausge­ber: Karl F. Kocmata. 1.), 71 [84] S.

15. bis 30. Oktober 1925: Verleger, Eigentümer, Herausgeber und verantwortlicher Redak­teur der von Karl F. Kocmata gegründeten Zeitschrift »Das Gesindel. Zeitschrift für Menschlichkeit« (Wien), von der zwei Hefte erscheinen.

1926

4. Jänner 1926: Vortrag von Karl F. Kocmata »Die Prostitution in Wien« im anarchistischen »Verein für freie Weltanschauung ›Freigeist‹« im Gasthaus von Moritz Singer, Wien 20., Wallensteinstraße 64.

7. bis 17. April 1926: Prozess gegen den am 8. Februar 1926 aus der Zeitung »Der Abend« (Wien) ausgeschiedenen Redakteur Alexander Weisz (1884–1956) und den auch für diese Zeitung tätigen Chef der »Annoncen-Expedition Heinrich Schalek« Artur Fuchs (1886–?) wegen Verbrechens der Erpressung. Weisz wird zu sieben Monaten schweren Kerkers, verschärft mit einem Fasttag im Vierteljahr und durch hartes Lager in jedem Monat verur­teilt, Fuchs zu vier Monaten schweren Kerkers. Dieser Prozess ist Anlass für Karl F. Koc­mata zu neuerlichen Angriffen auf seinen ehemaligen Arbeitgeber Carl Colbert und dessen Sohn, den Privatbeamten, Redakteur und Zeitungsherausgeber Ernst Colbert (1891–1943).

Frühjahr 1926: Karl F. Kocmata arbeitet kurzzeitig für den »Wiener Expreß-Zeitungs­dienst«.

16. Juni 1926: Vortrag von Karl F. Kocmata »Aus den Stätten des Elends und des Verbre­chens« im anarchistischen »Verein für freie Weltanschauung ›Freigeist‹« im Gasthaus von Alois Furka, Wien 16., Thaliastraße 32.

2. September bis 23. Dezember 1926: Verleger, Eigentümer, Herausgeber und verantwortli­cher Redakteur der von Karl F. Kocmata initiierten Zeitung »Der Anti-Abend. Unabhängiges Wochenblatt. Organ der Arbeitsgemeinschaft ehemaliger Redakteure des ›Abend‹« (Wien), von der dreizehn Nummern erscheinen.

21. Oktober 1926: Karl F. Kocmata beschuldigt öffentlich Ernst Colbert der Bestechlichkeit und der vor dem Gericht getätigten falschen Zeugenaussage, in der Hoffnung, von diesem verklagt zu werden, um dann vor Gericht den Wahrheitsbeweis für seine Behauptung er­bringen zu können.

1927

19. Jänner 1927: Prozess vor dem Zivillandesgericht Wien von der »Arbeitsgemeinschaft der Schriftleiter, Verwaltungsbeamten und Hilfskräfte des Abend«, formelle Besitzerin der Zeitung »Der Abend« (Wien), gegen Karl F. Kocmata. Dieser habe mit seinen Angriffen auf die Zeitung gegen den bei seiner Kündigung von ihm unterzeichneten Revers zur Un­terlassung derartiger Äußerungen verstoßen, weshalb die damals getätigte Abfertigung in der Höhe von 3.000 Schilling zurückzuzahlen wäre. Kocmata wird freigesprochen.

März 1927: Karl F. Kocmata wird »ständiger Mitarbeiter« bei der vom Schriftsteller, Schau­spieler und Kabarettisten Robert Peiper (1902–1966) herausgegebenen Zeitung »Die La­terne. Wiener Wochenzeitung« (Wien), von der allerdings nur vier Nummern erscheinen.

Sommer 1927: Karl F. Kocmata ist vorübergehend bei der »Wiener Sonn- und Montags-Zei­tung« (Wien) tätig.

10. September 1927: Eigentümer, Verleger, Herausgeber und verantwortlicher Redakteur der von Karl F. Kocmata gegründeten Zeitschrift »Wiener Schlaglichter. Schriften aus der Zeit« (Wien), von der aber nur eine Nummer erscheint.

September bis Oktober 1927: Karl F. Kocmata ist kurzzeitig als Inseratenakquisiteur für die »Annocen-Expedition-Verlagsanstalt Hans Dusika und Co.« tätig. In dieser Funktion lernt er über Karl Karner (1877–1949), der im März 1916 die »›Adria‹ Druck- und Verlagsge­sellschaft m. b. H.« als Geschäftsführer übernommen hatte, 1927 dessen Sohn Otto Karner (1907–1990) kennen.

8. Dezember 1927 bis März 1928: Als Mitbegründer auch Miteigentümer und Redakteur der vom Strickwarenpraktikanten, Inseratenakquisiteur, Journalisten, Zeitungsherausgeber und späteren Druckereibesitzer Otto Karner herausgegebenen Zeitung »Die Tribüne. Wochen­schrift für Politik, Volkswirtschaft und öffentliches Leben« (Wien).

1928

März 1928: Rückzug von der Otto Karner herausgegebenen, bis 1943 erscheinenden Zeitung »Die Tribüne. Wochenschrift für Politik, Volkswirtschaft und öffentliches Leben« (Wien).

1928 bis 1929: Anstellung als Annoncenakquisiteur und als »Mädchen für alles« bei der nati­onalsozialistischen Zeitschrift »Unsere Zukunft. Halbmonatshefte für österreichische Poli­tik, Wirtschaft und Kultur« (Wien) unter dem Gutsbesitzer, Schriftsteller, Publizisten und deutschnationalen, nunmehr nationalsozialistischen Politiker Friedrich Karl Rokitansky (1866–1942).

1929

24. Jänner 1929: Prozess gegen Otto Karner wegen Verbrechens der Erpressung durch Arti­kel in seiner Zeitung »Die Tribüne« (Wien). Karl F. Kocmata wird nur als Zeuge einver­nommen.

April 1929: Es erscheint in dem von ihm begründeten »Mene-Tekel-Verlag«, dessen einzige Publikation, zugleich die letzte Broschüre von Karl F. Kocmata [:] Der »Abend« und die sozialdemokratische Partei. Hinter den Kulissen der Wiener Revolverjournalistik. Mit Il­lustrationen und Faksimiles. Wien: Mene-Tekel-Verlag [1929], 48 [52] S.

August bis Dezember 1929: Anstellung als Redakteur bei der vom Verein »Der Neue Sozi­aldemokrat« seit April 1929 herausgegebenen Zeitung »Der Neue Sozialdemokrat. Organ des Vereines ›Der Neue Sozialdemokrat‹« (Wien), im November 1929 zeitweilig alleiniger Leiter der Zeitung.

1930

22. Februar 1930: Einstellung der vom Verein »Der Neue Sozialdemokrat« herausgegebenen Zeitung »Der Neue Sozialdemokrat. Organ des Vereines ›Der Neue Sozialdemokrat‹« (Wien).

1931

September 1931: Mitarbeit an der Nummer 7 der von Johann Riegler neu herausgegebenen nationalsozialistischen Zeitung »Der Anti-Abend. Unabhängiges Organ der Arbeitsge­meinschaft des ›Anti-Abend‹« (Wien).

1932

7. und 8. Jänner 1932: Prozess gegen den Herausgeber der Zeitung »Der Neue Sozialdemo­krat« (Wien), den Privatbeamten, Journalisten und Redakteur Franz Swoboda-Kozlowskyj (1906–1979), und dessen Bruder, den Schlossergehilfen, Maschinenschlosser, Journalisten und Publizisten Otto Swoboda-Kozlowskyj (1908–1970), sowie gegen die Kauffrau Rachel Esther Pawelec (1896–?) wegen Erpressung und gegen Rachel Esther Pawelec und ihre Schwester Ruszka Topper (um 1906 – ?) wegen falscher Zeugenaussage. Der Prozess, bei dem Karl F. Kocmata als Zeuge einvernommen wird, endet mit der Rückleitung des Aktes an den Untersuchungsrichter.

September 1932: Verantwortlicher Redakteur der für die »Arbeitsgemeinschaft der Wiener Extra-Ausgabe« von Franz Fučik, tatsächlich von Karl F. Kocmata, vom Journalisten, Ver­einsfunktionär, Kellner und Anarchisten Franz Newerkla (1896–1973) sowie vom Weber, Eisenbahner, Taxichauffeur, Journalisten, Redakteur und Anarchisten Edmund Redisch (ab 1947 Edward Redcliffe; 1900–1959) herausgegebenen anarchistischen Zeitung »Wiener Extra-Ausgabe« (Wien). Die einzige erschienene Nummer enthält ausschließlich heftige Angriffe auf Pierre Ramus.

1933

1. August 1933: Aufgabe der 1925 bezogenen Wohnung in Wien 9., Schulz-Straßnitzki-Gasse 13. Damit beginnen die Jahre immer wiederkehrender Obdachlosigkeit für das Ehe­paar Leopoldine und Karl F. Kocmata.

15. September bis 29. Dezember 1933: Leopoldine und Karl F. Kocmata beziehen ein Quar­tier in Wien 19., Sieveringer Straße 11, werden aber Ende Dezember 1933 delogiert.

1934

4. Jänner bis 12. Juli 1934: Leopoldine und Karl F. Kocmata beziehen ein Quartier in Wien 19., Eroicagasse 15.

1935

15. Juli 1934 bis 4. März 1935: Leopoldine und Karl F. Kocmata beziehen ein Quartier in Wien 19., Straßergasse 41.

4. März 1935 bis 9. Juni 1936: Leopoldine und Karl F. Kocmata beziehen ein Quartier im Gartenhaus eines Heurigen in Wien 19., Himmelstraße 63.

20. März 1935: Tod von Karl F. Kocmatas Vater Anton Kočmata (1849–1935) im Allgemei­nen Krankenhaus der Stadt Wien.

1936

März 1936: Karl F. Kocmatas letzte Veröffentlichung – unter dem Pseudonym »Karl Franz Heiding« – »Auf den Spuren Karl Moors«, erschienen auf Vermittlung des nationalsozia­listischen Schriftstellers Karl Wache (1887–1973) in der völkischen Kulturzeitschrift »Der Donau-Bote« (Wien).

18. August 1936: Prozess gegen den Herausgeber der nationalsozialistischen Zeitschrift »Un­sere Zukunft. Halbmonatshefte für österreichische Politik, Wirtschaft und Kultur« (Wien) Friedrich Karl Rokitansky wegen des Verbrechens der Erpressung. Da der Aufenthalt des Zeugen Karl F. Kocmata eruiert werden muss, kann der Prozess erst am 22. September 1936 fortgesetzt werden. Rokitansky wird wegen Verbrechens der Erpressung zu acht Mo­naten schweren verschärften Kerkers verurteilt. Die Zeugenvernehmung Kocmatas ist sein letzter öffentlicher Auftritt.

1937

Juli bis August 1937: Hilfsaktion für Karl F. Kocmata, organisiert vom ehemaligen Redak­teurskollegen, dem Journalisten und Schriftsteller Rafael Hualla (1900–1969), verantwort­licher Schriftleiter der Zeitung »Der Morgen« (Wien).

3. August 1937 bis 6. Oktober 1938: Leopoldine und Karl F. Kocmata beziehen ein Quartier in Wien 9., Liechtensteinstraße 96.

1938

6. Oktober 1938: Unterbringung von Karl F. Kocmata als Gelegenheitsarbeiter in Wien 19., Grinzinger Allee 7, Baracke 33, Tür 22.

1941

Ende November 1941: Karl F. Kocmata wird am frühen Morgen halb verhungert und halb erfroren auf einer Parkbank aufgefunden und in das Krankenhaus Lainz, die heutige Klinik Hietzing, Wien 13., Wolkersbergenstraße 1, eingeliefert.

29. November 1941: Karl F. Kocmata verstirbt im Krankenhaus Lainz um 10 Uhr vormittags im zweiundfünfzigsten Lebensjahr an einer Lungenentzündung.

9. Dezember 1941: Die Leiche von Karl F. Kocmata wird um 16 Uhr auf dem Friedhof Hei­ligenstadt, Wien 19., Wildgrubgasse 20, beigesetzt.

Karl F. Kocmat Eine Chronik Zusammengestellt von Reinhard Müller PDF