Neue Bücher Erich Hackl

Erich Hackl

Erich Hackl

Abschied von Sidonie

Erzählung, detebe 22428 Broschur, 128 Seiten
ISBN 978-3-257-22428-3
Erschienen im Nov. 1990
€ (D) 8.90 / sFr 13.90* / € (A) 9.20

Am achtzehnten August 1933 entdeckte der Pförtner des Krankenhauses von Steyr ein schlafendes Kind. Neben dem Säugling, der in Lumpen gewickelt war, lag ein Stück Papier, auf dem mit ungelenker Schrift geschrieben stand: »Ich heiße Sidonie Adlersburg und bin geboren auf der Straße nach Altheim. Bitte um Eltern.«

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Erich Hackl ist – wie schon mit seiner aufsehenerregenden Erzählung ›Auroras Anlaß‹ – einem unerhörten, jahrzehntelang verschwiegenen Fall nachgegangen; in einer knappen, präzisen Sprache erzählt Hackl das bewegende Schicksal Sidonies, ihr kurzes Glück bei den Pflegeeltern und deren verzweifelte Bemühungen, das Kind vor dem ihm zugedachten Ende zu bewahren. ›Abschied von Sidonie‹ ist nicht nur eine Chronik der Gewalt, von ›Trägheit des Herzens‹ und Bestialität des Anstands, sondern auch eine Liebeserklärung an Menschen, die in großen wie in kleinen Zeiten Mitgefühl und Selbstachtung vor falsch verstandene Pflichterfüllung gestellt haben. Zugleich gibt das Buch einen tiefen Einblick in den Zustand eines Landes und seiner Bewohner, zeigt, was möglich war und was wirklich wurde, und was davon geblieben ist.

Abschied von Sidonie
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Anprobieren eines Vaters

Geschichte, detebe 23566 Broschur, 304 Seiten
ISBN 978-3-257-23566-1
Erschienen im Jan. 2007
€ (D) 9.90 / sFr 17.90* / € (A) 10.20

Geschichten und Erwägungen

Geschichten und Erwägungen von beeindruckender Vielfalt, doch mit einer Absicht: in der genauen Darstellung von Gewalt und Unrecht etwas von jenem Glück zu retten, ohne das die Welt nicht zu verändern wäre.

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Unauslöschliche Geschichten: Von einem Kind, dessen Eltern vergessen haben, es zu lieben, und was aus ihm geworden ist. Von einer Frau, die ungern von sich spricht und im Erinnerungsnebel zu verschwinden droht. Von einem Mann, der aus Liebe das größte Geheimnis hütet. Von einem Großvater, der sein verschlepptes Enkelkind sucht und weiß, daß die eigenen Kinder für ihn sterben mussten. Von einem Revolutionär, der immer wieder von den Toten aufersteht. Erwägungen über die zehn Gebote eines Erzählers, über ein Land mit zwei Waagschalen, über die Besichtigung eines Museums der besonderen Art und über die Frage, wie ein Stück Würfelzucker unter zehn Menschen aufzuteilen ist. Dazu Porträts von Autoren, die zu bedeutend sind, als dass sie im Literaturbetrieb wahrgenommen würden. Geschichten, die, wie unsere eigenen, im zwanzigsten Jahrhundert beginnen und tief in die Gegenwart reichen. In ihrer Weigerung, die herrschenden Verhältnisse hinzunehmen, bilden sie ein »Album des Widerstands« (Marion Löhndorf, Neue Zürcher Zeitung).
Anprobieren eines Vaters
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Auroras Anlaß

Erzählung, detebe 21731 Broschur, 160 Seiten
ISBN 978-3-257-21731-5
Erschienen im Nov. 1988
€ (D) 7.90 / sFr 13.90* / € (A) 8.20
»Eines Tages sah sich Aurora Rodríguez veranlaßt, ihre Tochter zu töten.« So beginnt die außergewöhnliche Geschichte der Spanierin Aurora Rodríguez, die auf der Suche nach Selbstverwirklichung an die Schranken gesellschaftlicher Konventionen stößt und ihre Träume von einer besseren Welt von einer anderen, fähigeren Person realisiert sehen möchte: einer Frau, ihrer Tochter Hildegart.

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»Eines Tages sah sich Aurora Rodríguez veranlasst, ihre Tochter zu töten.« Mit diesem Satz beginnt die außergewöhnliche Geschichte der Spanierin Aurora Rodríguez (1890-1955), die auf der Suche nach Selbstverwirklichung an die Schranken gesellschaftlicher Konventionen stößt und ihre Träume von einer besseren Welt von einer anderen, fähigeren Person realisiert sehen möchte: einer Frau, ihrer Tochter. So beschließt sie, ein Kind in die Welt zu setzen, befähigt, die Menschheit – vor allem die Frauen – zu befreien. Dabei geht sie ganz rational vor: sucht einen Mann, der bereit ist, nach erfolgter Zeugung aus ihrem Leben zu verschwinden. Sie findet ihn, wird schwanger, übersiedelt nach Madrid und bringt 1914 das Mädchen Hildegart zur Welt. Von Anfang an kümmert sie sich intensiv um seine Erziehung: Mit vierzehn Jahren macht Hildegart das Abitur, mit siebzehn schließt sie das Studium der Rechte ab und schreibt sich für Medizin ein. Als aktive Sozialistin greift sie in das politische Leben Spaniens ein, als entschiedene Verfechterin der Rechte der Frau kämpft sie in Vorträgen und Büchern für deren Gleichberechtigung. Als sie scheinbar daran ist, die hohen von ihrer Mutter in sie gesetzten Erwartungen zu erfüllen, kommt sie mit achtzehn Jahren zu Tode. Der Fall ist historisch belegt. Überall dort, wo es gesicherte Fakten gab, ist ihnen der Autor gefolgt. Die Dialoge aber sind nachempfunden, die Ambiguität zwischen Tatsache und Fiktion bewusst angestrebt. Ein konzentriertes, in der distanzierten Erzählweise sprödes, aber atemloses und spannendes Stück Prosa zum Thema Emanzipation einerseits und zur spanischen Geschichte andererseits, das heute in der Zeit der Genmanipulation eine erschreckende Aktualität aufweist.
Auroras Anlaß
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Die Hochzeit von Auschwitz

detebe 23377 Broschur, 192 Seiten
ISBN 978-3-257-23377-3
Erschienen im Jan. 2004
€ (D) 8.90 / sFr 15.90* / € (A) 9.20

Eine Begebenheit

Die Geschichte von zweien, die sich lieben, durch die politischen Ereignisse immer wieder getrennt werden und dann diese Liebe endlich legalisieren dürfen – unter den denkbar widrigsten Umständen: Für einen Tag und eine Nacht darf die Spanierin Marga Ferrer das KZ Auschwitz betreten, um mit dem Häftling Rudi Friemel den Bund fürs Leben einzugehen. Ein Buch in Stimmen erzählt, über Hoffnung und Verzweiflung, über die Niederlagen eines halben Jahrhunderts.

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Die Geschichte des Österreichers Rudi Friemel und der Spanierin Marga Ferrer, die sich während des Spanischen Bürgerkriegs kennenlernten, durch die Ereignisse immer wieder getrennt wurden und ihre Liebe endlich – unter den unmöglichsten Umständen – legalisieren dürfen: Rudi ist seit Anfang 1942 Häftling im KZ Auschwitz, und am 18. März 1944 darf Marga Ferrer das Todeslager für einen Tag und eine Nacht betreten, um mit ihm den Bund fürs Leben einzugehen. Hoffnung erweckender Ausnahmezustand oder äußerster Zynismus der Machthabenden? Auf jeden Fall eine wahrhaft unerhörte Begebenheit, die nicht nur dem Brautpaar viel bedeutet. Sie wird auch für Auschwitz folgenreich sein. Ein Buch, in Stimmen erzählt, kunstvoll miteinander verwoben, auf den Spuren einer Geschichte, deren Widersprüche und Erkenntnislücken es nicht verschweigt. Zu Wort kommen: Rudis unkonventionelle Schwägerin in Madrid. Seine Frau, der am Ende nicht einmal ihre Erinnerungen bleiben. Ihr gemeinsames Kind Edouard und dessen Halbbruder Norbert, Rudis Sohn aus erster Ehe. Ein Spanienkämpfer aus Wien, der im Schützengraben zu Hause ist und den Krieg hasst. Die Leidensgefährten in Auschwitz. Zeugen und ihre Mutmaßungen, wie Rudi dorthin gekommen ist. Zwei Totenschreiberinnen im Standesamt des Lagers, die die Hochzeit bezeugen. Ein bewegendes Buch über Hoffnung und Verzweiflung, über die Niederlagen eines halben Jahrhunderts. Ein Buch, in dem neben der Liebe das Vertrauen im Mittelpunkt steht – in das Menschenmögliche.
Die Hochzeit von Auschwitz
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In fester Umarmung

detebe 23357 Broschur, 336 Seiten
ISBN 978-3-257-23357-5
Erschienen im März 2003
€ (D) 9.90 / sFr 17.90* / € (A) 10.20

Geschichten und Berichte

Geschichten und Berichte: über ein Gelage und über die Winde, die dabei entschlüpfen; über Liebesbriefsteller und ihren zweifelhaften Nutzen; über die Entdeckung der Stadt Schleich-di; über die Wiederkehr des Che Guevara; über Gedichte einer Frau, die immer alles gewußt hat, und über Gedichte einer Frau, die sich nie überschätzt hat; immer wieder über Menschen, denen der Autor zugetan ist – ›in fester Umarmung‹.

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Der Biographie des 20. Jahrhunderts auf der Spur – so könnte man diese einfühlsamen Gedenkblätter, hellwachen Tagträume und spöttischen Sittenbilder nennen, in denen Erich Hackl, unbeirrt von Lärm und Hast der Tagesaktualität, Geschichten von Aufruhr und Widerstand, Wut und Zärtlichkeit, Würde und Freundschaft erzählt. Geschichten und Berichte, unter anderem über ein mitteleuropäisches Gelage und über die Winde, die dabei entschlüpfen; über Liebesbriefsteller und ihren zweifelhaften Nutzen; über die Entdeckung der Stadt Schleich-di; über einen Arbeiteraufstand und sein Postskriptum; über einen roten Tischler und seine Söhne; über die Wiederkehr des Che Guevara; über Leben und Sterben spanischer Republikaner; über einen Mörder und sein Gewissen; über eine Reise durch Druckerschwärze; über Gedichte einer Frau, die immer alles gewusst hat, und über Gedichte einer Frau, die sich nie überschätzt hat; immer wieder über Menschen, denen der Autor zugetan ist – ›in fester Umarmung‹.
In fester Umarmung
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Sara und Simón

detebe 22926 Broschur, 208 Seiten
ISBN 978-3-257-22926-4
Erschienen im Dez. 1996
€ (D) 8.90 / sFr 15.90* / € (A) 9.20

Eine endlose Geschichte

Nach dem Sturz der uruguayischen Militärdiktatur, nach Gefängnis und Folter, macht sich Sara auf die Suche nach ihrem verschwundenen Sohn. Doch als sie ihn nach zehn Jahren endlich gefunden zu haben glaubt, setzt die wirkliche Tragödie ein: Sara gerät in einen Teufelskreis der totalen Verweigerung. Präzises, einfühlsames Protokoll einer Frau im Kampf gegen alle und die bewegende Geschichte eines großen Verlustes.

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Am 20. August 1976, zur Zeit der Militärdiktatur, meldete die uruguayische Tageszeitung ›El Día‹: »In Montevideo wurde gestern Abend ein etwa zwei Monate altes Baby gefunden, das von seiner entarteten Mutter, die bis jetzt nicht ausgeforscht werden konnte, zurückgelassen worden ist. Der Minderjährige wurde auf Verfügung des zuständigen Richters ins städtische Waisenhaus eingeliefert.« Hackl verknüpft diesen Fund mit der Geschichte einer jungen Frau namens Sara Méndez, die 1973 aus Uruguay flieht und in Argentinien den Kampf gegen das Regime fortsetzt. Im Juni 1976 bringt sie in Buenos Aires ein Kind zur Welt. Zwanzig Tage nach der Geburt wird sie von einem Kommando des Geheimdienstes verschleppt. Ihren Sohn Simón muss sie zurücklassen – einen von Tausenden ›Verschwundenen‹. Saras Bemühungen, den kleinen Simón wiederzufinden, bleiben lange Jahre erfolglos. Erst Mitte der achtziger Jahre stößt sie auf die Spur eines ausgesetzten Jungen, der wahrscheinlich ihr Kind ist. Ihrem Verlangen, Gewissheit zu bekommen, widersetzen sich alle anderen betroffenen Parteien: die Justiz des Landes, die Adoptiveltern des Jungen und der Junge selbst. Hackl erzählt diesen genau recherchierten Fall in einer klaren, poetischen Sprache. Er nennt Opfer wie Täter bei ihren Namen. Er leugnet nicht seine Anteilnahme, ergreift Partei. Dennoch weist diese bewegende Geschichte über den Einzelfall hinaus. Ihr Autor erinnert an eine ganze Generation junger Frauen und Männer, die vor zwei Jahrzehnten die Welt verändern wollten. Er fragt, leise, was aus ihren und was aus unseren Träumen geworden ist. Was dem Einzelnen beim Versuch widerfährt, Gerechtigkeit für alle zu erreichen. Vor allem aber erinnert uns dieser Erzähler an die Fähigkeit der Menschen, ihre Würde zu bewahren und ihre Erfahrungen anzuvertrauen.
Sara und Simón
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