Soziale Kämpfe in Mexiko

Mi. 18. Juli 2012 20:00

Mit Sara Mendez , Miriam Trzeciak, Philipp Gerber und Luz Kerkeling

Soziale Bewegungen und Menschenrechtsarbeit in Südmexiko

Nach einem konfrontativen Wahlkampf und dem Urnengang vom 1. Juli 2012 werden im Mexiko die Karten der politischen Macht neu gemischt. Im Verlauf des Wahlkampfs entstand überraschenderweise eine neue Studierendenbewegung, genannt „Yo soy 132“, welche sich via soziale Netzwerke mobilisiert und die politische Klasse sowie Medienmonopole grundsätzlich in Frage stellt. Sara Mendez von der Menschenrechtsorganisation Codigo DH und Philipp Gerber, Mitarbeiter von Educa Oaxaca, reflektieren die Sicht der Menschenrechtsverteidiger_innen und der sozialen Bewegungen auf das aktuelle Geschehen im Land, mit Schwerpunkt auf den südlichen Bundesstaaten Chiapas, Oaxaca und Guerrero. Mit Beispielen aus ihrer Arbeit erläutern sie insbesondere die Verteidigung der indigenen Territorien gegen Megaprojekte in Oaxaca, die Kriminalisierung der sozialen Bewegungen sowie Versuche, der Straflosigkeit und den Angriffen auf Menschenrechsverteidiger_innen zu begegnen.

Die aktuelle Gender-Situation in Chiapas

Miriam Trzeciak, Soziologin und freiwillige Mitarbeiterin bei der südmexikanischen Frauenorganisation CIAM A.C., wird über die aktuelle Gender-Situation in Chiapas berichten. Im Kontext von Hypermaskulinität, Krieg niederer Intensität und sozio-strukturellen Marginalisierungsprozessen protestieren feministische und Frauenorganisationen in der jüngsten Zeit wieder verstärkt gegen Formen geschlechtsspezifischer Gewalt. Fokussiert werden im Vortrag insbesondere die Organisation und die Aktionsformen, die sich im gegenüber der Gewalt gegen Frauen herausgebildet haben. Ein wichtiger Bezugspunkt bildet v.a. das 1993 von den Zapatistinnen proklamierte Revolutionäre Frauengesetz.

Landkonflikte und Widerstand sozialer Bewegungen in Südmexiko

Der Beitrag von Luz Kerkeling, Mitarbeiter der Gruppe B.A.S.T.A. und von Zwischenzeit e.V., thematisiert die Bedrohung der indigenen Gemeinden in Südmexiko durch Monokulturen, Infrastrukturausbau, Tourismusprojekte und Gewalt. Viele kleinbäuerliche Dorfgemeinschaften funktionieren bis heute auf der Basis von traditioneller Versammlungskultur, Gemeinschaftsarbeit und Subsistenzwirtschaft zur Grundversorgung mit Nahrungsmitteln. Das Land, das in der Kosmovision der indigenen Bevölkerungsgruppen als „Mutter Erde“ verstanden wird, gerät jedoch immer stärker ins Visier von Politik und Wirtschaft: Die Gemeindeländereien werden zunehmend in eine Ware konvertiert. Doch die sozialen Bewegungen in Chiapas, Guerrero, Michoacán und Oaxaca nehmen dies nicht schweigend hin. Jenseits der Logik des Wahlkalenders der politischen Klasse Mexikos leisten sie Widerstand gegen lokale Machthaber, Regierungsfunktionäre, Konzerne und Organisierte Kriminalität und bauen alternative autonome Strukturen auf – mit beachtlichen Erfolgen.

 

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