Ret Marut alias B. Traven

Ausstellung – Vorträge – Filme   Freitag 30.09.2011 – Sonntag 09.10.2011

Freitag 30.09.2011

18:00 Eröffnung der Ausstellung über den mysteriösen Schriftsteller Ret Marut alias B. Traven (Ziegelbrenner – Totenschiff – Der Schatz der Sierra Madre) mit einer kurzen Führung durch die Ausstellung
20:00 Vortrag und Diskussion
B. Traven Leben und Werk.
Mit dem Kurator der Ausstellung

B. Traven Wer sich hinter diesem Namen verbirgt, ist bis heute unbekannt. Man weiß nur so viel : 1907 taucht ein Mann mit dem Namen Ret Marut zum ersten Mal als Schauspieler in Essen auf und spielt bis 1916 in kleinen und kleinsten Rollen an mehreren Provinztheatern in Deutschland. Dann zieht er nach München und wird Schriftsteller. Unter diesem Pseudonym gibt der große Unbekannte ab 1917 das anarchistische Blatt „Der Ziegelbrenner“ heraus. In der Münchner Räterepublik 1918/19 ist er politisch aktiv und wird nach deren Zusammenbruch verurteilt. Er flieht aus Bayern.

Traven schickte seine Werke selbst oder durch Vertreter zur Veröffentlichung aus Mexiko nach Europa per Post, als Rückadresse gab er ein Postfach auf einem mexikanischen Postamt an. Als Eigentümer der Urheberrechte stand in seinen Büchern „B. Traven, Tamaulipas, Mexiko“. Weder die europäischen noch die amerikanischen Verleger Travens lernten ihn persönlich kennen. Die Personen, mit denen sie über das Herausgeben und dann auch die Verfilmung seiner Bücher verhandelten, behaupteten jedenfalls, sie seien nur Sprecher Travens. Die Identität des Schriftstellers selbst sollte ein Geheimnis bleiben. Diese Verweigerung jeder Auskunft über seine Biografie erklärte B. Traven in den Worten, die eines seiner bekanntesten Zitate wurden:

 „Wenn der Mensch in seinen Werken nicht zu erkennen ist, dann ist entweder der Mensch nichts wert oder seine Werke sind nichts wert.“

Der rätselhafte Autor erfreute sich schnell großer Popularität (die Brockhaus Enzyklopädie widmete ihm schon 1934 einen Eintrag, und Literaturkritiker, Journalisten und andere versuchten seine Identität zu ermitteln. Sie stellten dabei mehr oder weniger glaubwürdige, manchmal fantastische Hypothesen auf.

Öffnungszeiten der Ausstellung
Fr 18:00 – 21:00
Mo – Do 16:00 – 21:00
Sa – So 15:00 – 21:00
bzw. bis 15 Minuten vor Beginn einer Veranstaltung

Montag 03.10.2011

20:00 Film
Das Totenschiff
Der Ich-Erzähler Gales – er taucht bereits in der Erzählung „Die Baumwollpflücker“ (1925) auf, dann in „Die Brücke im Dschungel“ (1929), jedes Mal ohne Vornamen – ist in diesem Roman ein amerikanischer Seemann aus New Orleans. Er verpasst nach einem Landurlaub in Antwerpen sein Schiff, die S. S. Tuscaloosa. Da sein einziges Identitätsdokument, nämlich seine Seemannskarte, an Bord geblieben ist, macht er eine neue Erfahrung, nämlich ohne Papiere durch alle Maschen anerkannter gesellschaftlicher Zugehörigkeit zu fallen. Als Staatenloser geltend, wird er über Landesgrenzen abgeschoben und macht eine Irrfahrt durch Westeuropa von Belgien über die Niederlande nach Frankreich, Spanien und schließlich Portugal. Am deutlichsten gibt ihm der amerikanische Konsul in Paris zu verstehen, in welche Situation er ohne urkundliche Bestätigungen seiner Existenz geraten ist, so dass ihm auch der Konsul nicht mehr helfen kann:

„Ich war nicht geboren, hatte keine Seemannskarte, konnte nie im Leben einen Pass bekommen, und jeder konnte mit mir machen, was er wollte, denn ich war ja niemand, war offiziell gar nicht auf der Welt, konnte infolgedessen auch nicht vermisst werden.“

In einem kleinen südportugiesischen Hafen zwingt ihn seine Lage, auf dem völlig heruntergekommenen Dampfer „Yorikke“ anzuheuern. Das Schiff soll nach Liverpool auslaufen. Auf dem Schiff arbeiten außer dem Skipper nur Seeleute, die keine Papiere mehr haben, also lebendige Tote sind, für die sich niemand mehr zuständig fühlt, außer dass sie für den Eigner eines „Totenschiffes“ wie die „Yorikke“ noch arbeiten können. In keinem Hafen werden sie mehr durch die Kontrollen an Land gelassen, so dass sie, über die ihnen zustehende geringe Heuer zusätzlich dem Skipper ausgeliefert, kaum die Chance haben, das „Totenschiff“ je ordnungsgemäß wieder verlassen zu können. So geht die Reise auch nicht nach Liverpool, sondern das Schiff, das offiziell mit wertloser Fracht unterwegs ist, betreibt Waffenschmuggel auf Mittelmeer- und küstennahen Atlantikrouten.

Dienstag 04.10.2011

Film 20:00
Der Schatz der Sierra Madre
ist ein US-amerikanischer Spielfilm aus dem Jahr 1948 nach dem gleichnamigen Roman von B. Traven, gedreht von John Huston mit Humphrey Bogart und Walter Huston (John Hustons Vater) in den Hauptrollen.
Mexiko im Jahr 1925. Der US-Amerikaner Fred C. Dobbs ist in Tampico an der mexikanischen Ostküste gestrandet; hier gibt es einen der größten Ölhäfen der Welt. Dobbs überlebt, indem er reiche Landsleute anbettelt. Auf einer Parkbank lernt er einen jüngeren Landsmann kennen, dem es ähnlich geht: Bob Curtin.
Der Bauunternehmer Pat McCormick bietet Dobbs an, ihn vorübergehend beim Bau eines Bohrturms zu beschäftigen; Dobbs willigt sofort ein, Curtin wird sein Arbeitskollege. Nach zwei Wochen verabredet sich McCormick mit seinen beiden Arbeitskräften in einer Bar in Tampico, um ihnen den Lohn auszuzahlen. Die beiden warten, der Unternehmer erscheint nicht, Dobbs und Curtin sind finanziell am Ende. Im Schlafsaal einer billigen Herberge hören sie, wie der alte Goldgräber Howard von einer mexikanischen Goldader schwärmt und zugleich die zerstörerischen Folgen der Goldgier ausmalt. Am nächsten Tag laufen Dobbs und Curtin zufällig ihrem Bauunternehmer über den Weg. Der will nicht zahlen, es kommt zu einer Schlägerei, der Unternehmer unterliegt, und die beiden geprellten Arbeitskräfte bedienen sich aus der Brieftasche ihres Auftraggebers mit dem, was ihnen zusteht. Dobbs und Curtin begeben sich mit Howard auf Goldsuche ins Innere Mexikos. Nach unsäglichen Mühen finden sie, was sie suchen, doch der Traum vom Reichtum scheitert an Banditen und der eigenen Gier.

 

Donnerstag 06.10.2011

20:00 Vortrag und Diskussion
Ret Marut Seine Frühen Jahre bis zur Münchner Räterepublik

Nicht nur in seinen Romanen zeigte Traven politisches Engagement. So geht man sicher davon aus, dass B. Traven und Ret Marut zwei Pseudonyme derselben Person waren. Unter Ret Marut gibt der große Unbekannte ab 1917 das anarchistische Blatt „Der Ziegelbrenner“ heraus und ist in der Münchener Räterepublik 1918/19 aktiv. Nach der Niederschlagung der Räterepublik flieht er vor der Verfolgung durch Militär und präfaschistischer „Bürgerwehr“ aus Bayern. Mit dieser Flucht verschwand der Name Ret Marut von der Bildfläche, der Autor meldete sich 1925 aus Mexiko unter dem Pseudonym B. Traven mit einem Manuskript bei der Zeitung „Vorwärts“, die den Text als Fortsetzungsroman abdruckte.

Freitag 07.10.2011

20:00 Film Dokumentation
Der Unbekannte von Tampico: B. Traven
Oder wie ein deutscher Anarchist inkognito zum literarischen Botschafter Mexikos wurde


Porträt des deutschen Schriftstellers B. Traven, der unter dem Namen Ret Marut während der Münchner Räterepublik als Revolutionär auf sich aufmerksam machte, 1924 nach Mexiko auswanderte und mit Romanen wie „Das Totenschiff“ oder „Der Schatz der Sierra Madre“, die immer aus dem Blickwinkel der Unterdrückten erzählen, weltberühmt und zum literarischen Botschafter Mexikos wurde.

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