Frankreich nach den Anschlägen auf Charlie Hebdo Einschätzungen aus anarchistischer Sicht

Vortrag und Diskussion mit Lou Marin, Marseille

Do, 21. Mai 2015 20:00 VoKü ab 19:00

Charlie HebdoVom 7.-9. Januar 2015 wurden bei einem islamistischen Anschlag in Paris auf die Redaktion des Satireblatts „Charlie Hebdo“ sowie auf einen jüdischen Supermarkt insgesamt 17 Menschen ermordet. Im Anschluss zogen Hunderttausende im Einklang mit Staatsherren und –frauen vieler Länder unter der Parole „Ich bin Charlie“ durch Paris. Die französische Regierung nahm für sich die Verteidigung der Pressefreiheit in Anspruch, reagierte aber sofort mit juristischen Aburteilungen für verbale „Legitimation des Terrorismus“ und innenpolitischen Gesetzesverschärfungen, setzte den eine Militärpräsenz im Innern legitimierenden „Plan Vigipirate“ um und verstärkte ihre Kriegseinsätze in Afrika und in den arabischen Ländern u.a. durch die Entsendung des Flugzeugträgers Charles de Gaulle in den Persischen Golf.

In der Folge der Anschläge gab es Gegenanschläge auf Moscheen in Frankreich sowie Verwüstungen jüdischer Friedhöfe. Nebeneinander stehen ein antimuslimischer Rassismus der weißen Mehrheitsgesellschaft sowie ein unübersehbarer Antisemitismus sowohl mitten aus der Mehrheitsgesellschaft als auch aus den Reihen verarmter migrantischer Jugendlicher aus den Vorstädten. Frankreich bietet ein Bild gesellschaftlicher Zerrissenheit, aus dem der neofaschistische Front National zunehmendes WählerInnenpotential rekrutiert.

Wie reagiert das in Frankreich zwar minoritäre, aber als soziale Strömung auch zahlenmäßig wahrnehmbare libertäre Milieu, wie reagieren die verschiedenen libertären Strömungen auf diese Entwicklungen? Wie ist die Geschichte der Satirezeitung „Charlie Hebdo“ einzuschätzen, die anfangs durchaus als libertäre Satirezeitung eingeschätzt worden ist, der aber heute meist eine eher sozialliberale Ideologie bescheinigt wird? Welche prägenden internen Auseinandersetzungen hat es innerhalb der Geschichte dieser Zeitung in jüngster Zeit gegeben?

Lou Marin ist Autor, Übersetzer und Journalist der deutschsprachigen gewaltfrei-anarchistischen Zeitung Graswurzelrevolution, Autor diverser Artikel für die libertäre französische Wochenzeitung Le Monde libertaire und lebt seit 2001 in Marseille.

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